Konzept
Performance-Rezitale
Wenn der Konzertsaal zur Galerie wird.
Ein Performance-Rezital verbindet Live-Klaviermusik mit Kunstinstallationen, filmischer Beleuchtung und immersiver Inszenierung. Jede Veranstaltung von Katinka von Richter verwandelt einen einzigartigen Ort in eine Galerie aus Klang und Licht.
Ein Performance-Rezital ist weder Konzert noch Installation. Es ist ein Abend, den eine einzige Idee zusammenhält — ein Raum, ein Programm, ein visueller Apparat und ein Publikum, das gebeten wird, Zuhören als eine Tätigkeit zu verstehen, an der es teilhat, statt sie zu empfangen.
Die Arbeit begann 2019 mit einer Kapelle bei Saint-Eustache und einem Zyklus später Schubert-Werke auf einem präparierten Flügel. Seitdem zog sie durch Industriehallen, leere Kaufhäuser und ein halb geflutetes Gewächshaus im Ruhrgebiet. Jedes Projekt entsteht mit einer anderen bildenden Künstlerin, in einem anderen Raum — und immer aus einem anderen Grund.
Was sie teilen, ist die Überzeugung, dass ein Klavier nie bloß ein Klavier ist. Es ist ein raumgroßes Möbelstück, ein mechanisches Tier und ein Gefäß für Licht. Performance-Rezitale versuchen, alle drei Dinge gleichzeitig sprechen zu lassen.
Oktober 2025
Threshold Nocturne
Halle 14, Leipziger Baumwollspinnerei — Leipzig
Vierundzwanzig Nocturnes, hundert Kerzen und ein teilweise zerlegtes Klavier am hinteren Ende einer 2000 Quadratmeter großen ehemaligen Baumwollspinnerei. Das Publikum bewegte sich zu Fuß durch die Länge der Halle; der Klang folgte ihm mit Verzögerung. Jede Nocturne war mit einer einzigen Lichtgeste verbunden — eine Kerze gelöscht, ein Vorhang gezogen, ein Fenster zur Februarluft geöffnet — sodass am Ende des Programms die einzige Beleuchtung im Raum der aufgewirbelte Klavierstaub war.
Presse
“Ein Hörerlebnis, so vollständig choreografiert, dass ich beim letzten Chopin vergessen hatte, dass ich stand.”
“Von Richter hat etwas Neues gebaut: ein Konzert, das sich weigert, stillzusitzen.”
Mai 2024
Atrium Messe
ehem. Karstadt-Atrium, Hermannplatz — Berlin
Dreihundert Klappstühle um einen schwarzen Steinway in der Mitte des stillgelegten Atriums eines Kaufhauses. Das Programm — Ligeti-Etüden, Galina Ustwolskajas sechste Sonate und ein neues Werk von Mika Vainio — entfaltete sich über zwei Stunden unter dem originalen Oberlicht von 1929. Keine Verstärkung. Keine Programmhefte. Beim Eintreten erhielt jeder Zuhörer einen kleinen Messing-Token mit der Bitte, ihn in jenem Moment auf den Boden zu legen, in dem er sich ergriffen fühle. Am Ende des Abends war der Boden von einer Konstellation aus dreihundert Lichtpunkten bedeckt.
Presse
“Die radikalste Pianistin, die in Europa gerade arbeitet — und zugleich die gastfreundlichste.”
“Ein Format von überraschender Intimität in einem Raum, der für nichts dergleichen gebaut war.”